Auch ich bin Charlie Hebdo!

Es ist so einfach, dass es eigentlich nicht weiter erklärungsbedürftig sein dürfte: Wir sind eine Zivilgesellschaft. Das bedeutet, alle, die sich dieser Gesellschaft zugehörig fühlen, haben den Konsens, friedlich miteinander umzugehen. Selbstverständlich ist jeder bereit, auf Gewalt zu verzichten. Das alleinige Recht, in notwendigen Fällen Gewalt auszuüben, hat der Staat (mit engen Ausnahmen, wenn sich jemand einem rechtswidrigen Angriff ausgesetzt sieht). Genau so selbstverständlich ist es aber auch, andere selbst im Fall eines Konflikts immer als Teil der Gesellschaft anzuerkennen. Konflikte werden mit Worten ausgetragen, die scharf formuliert, gelegentlich sogar polemisch bis beleidigend sein können, solange jeder bereit ist, die (gewaltlose) Antwort des anderen zu vertragen. Für alle Konflikte, die auf dieser Ebene nicht beigelegt werden können, ist wiederum der Staat als neutrale Instanz zuständig. Diese Selbstverständlichkeit ist das Mindeste, was wir einander schulden!

Darum verabscheue ich alle, die in einer Auseinandersetzung zum Mittel der Gewalt greifen! Menschen, die auf unbewaffnete Menschen schießen, haben bei mir jeden Respekt verspielt, egal welche Hautfarbe, Religion oder sonstiges Identitätsmerkmal sie haben.

Darum verabscheue ich auch Menschen, die mit diffamierenden und haltlosen Worten Hass schüren und sich der Gegenrede verschließen, indem sie nicht mit anderen, sondern über andere reden. Auch das empfinde ich unabhängig davon, welche Hautfarbe, Religion oder sonstiges Indentitätsmerkmal diese Menschen haben. Meine Abscheu trifft islamistische Hassprediger genauso, wie die „abendländischen“ Hassprediger von PEGIDA.

Der Tod der zwölf Redaktionsmitglieder von „Charlie Hebdo“ wird nicht umsonst sein, wenn alle, die sich der Zivilgesellschaft zugehörig fühlen, jenen, die Hass und Gewalt schüren, entgegenrufen: „Auch ich bin Charlie Hebdo! Ihr werdet die Zivilgesellschaft nicht zerstören!“