Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen – in ganz Europa!

Erneut haben gewissenlose Wirrköpfe mit skrupelloser Gewalt auf den Pluralismus und die Liberalität der westlichen Gesellschaft reagiert. In Kopenhagen mussten bei Schüssen in einem Kulturzentrum und einer Synagoge zwei Menschen sterben, weitere wurden verletzt. Die Tat macht mich traurig und wütend. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer. Gleichzeitig sehe ich uns alle herausgefordert, unsere gemeinsamen Werte umso höher zu halten. Ich stimme dem Appell der dänischen Königin Margarethe aus vollem Herzen zu: „Es ist wichtig, dass wir in so einer schwierigen Situation zusammenstehen und die Werte schützen, auf die Dänemark gebaut ist.“

Es ist Europa, das zusammensteht

Ich möchte die Aussage der Königin sogar noch erweitern, denn die Dänen sind nicht allein. Mordtaten wie diese greifen Werte an, auf die ganz Europa gebaut ist und Europa ist es auch, das zusammenstehen muss und wird! Die feigen Taten in Kopenhagen sollen, genau wie die feigen Taten in Paris und die der vergangenen Jahre, die Menschen verunsichern und ein Klima des gegenseitigen Misstrauens schaffen. Das gilt es ebenso zu verhindern, wie die Machenschaften derjenigen, die solche Attentate rechtfertigen, zu ihnen aufrufen oder sie im Hintergrund planen.

Ein Wir-Gefühl entgegensetzen

Dem Hass und dem Wahn, die solch sinnloser Gewalt immer zugrunde liegen, müssen wir alle Zusammenhalt und ein Wir-Gefühl entgegensetzen. Genau hier habe ich aber auch Hoffnung. Die Tragödien, speziell zu Beginn dieses Jahres, haben nach meinem Gefühl eine Betroffenheit in der gesamten europäischen Bevölkerung ausgelöst, die ich vorher in dieser Stärke noch nicht wahrgenommen habe. Immer mehr Menschen verstehen die Ereignisse in Europa als ihre eigenen, egal ob sie Bürger des Landes sind, in denen sie geschehen.

Für gemeinsame Werte gemeinsam einstehen

Es wird den Menschen immer klarer, dass wir Europäer gemeinsame Werte teilen, die gelebt und wenn nötig verteidigt werden müssen – und für die sich das auch lohnt! Kopenhagen, Paris, Oslo und Utøya, Madrid und London liegen vielleicht in unterschiedlichen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Sie gehören aber zueinander, genau wie Berlin, Wien, Warschau, Riga, Athen und alle anderen Orte auf diesem Kontinent, der so großartige Ideen hervorgebracht und so viel Leid gesehen hat.

Beides, das Leid und die großartigen Ideen sind es, die das Projekt der europäischen Einigung so wichtig machen. Das Leid ist Grund und Ansporn, die Ideen sind Auftrag und Anleitung. Nach dem zweiten Weltkrieg war der erste Gedanke, dass Katastrophen, wie die der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts nie wieder geschehen dürfen. Mittlerweile verstehen wir, wie wichtig es deswegen ist, gemeinsam zu fühlen, füreinander einzustehen und ein gemeinsames Bewusstsein, eine gemeinsame Öffentlichkeit zu schaffen.

Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wächst

Dieses Verständnis ist nach meinem Gefühl in den vergangenen Jahren noch einmal gewachsen. Jeder, der in Europa Menschen angreift, muss mittlerweile wissen, dass er damit alle Europäer angreift. Darauf müssen wir aufbauen, nicht nur in Ausnahmesituationen, wie den jüngsten Verbrechen. Das gerade entstehende Gemeinschaftsgefühl ist genauso gefordert bei der Bewältigung der alltäglichen Probleme, sei es der Aufbau einer gemeinsamen Wirtschaft, die tatsächlich den Menschen dient, sei es die Bewältigung der Flüchtlingsproblematik auf eine Weise, die den entwurzelten Menschen eine reale Perspektive bietet.

Alle diese Probleme müssen gelöst werden. Wir Europäer haben die Möglichkeiten dazu, wenn wir lernen, unsere Kräfte wirksam zu bündeln. Wenn das gelingt, dann haben die Attentäter ihr Ziel verfehlt. Es bedeutet die Niederlage für alle, die Hass und Gewalt säen wollen. Dafür lohnt jede Anstrengung!

Veröffentlicht von

Thomas F. Reis

Bloggt seit 2009 darüber, wie er sich die Politik der SPD wünschen würde. Daraus entstand 2013 u.a. sein E-Book „Das Problem der Arbeitslosigkeit“. Sein Schwerpunkt-Thema ist die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

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