Auch ich bin Charlie Hebdo!

Es ist so einfach, dass es eigentlich nicht weiter erklärungsbedürftig sein dürfte: Wir sind eine Zivilgesellschaft. Das bedeutet, alle, die sich dieser Gesellschaft zugehörig fühlen, haben den Konsens, friedlich miteinander umzugehen. Selbstverständlich ist jeder bereit, auf Gewalt zu verzichten. Das alleinige Recht, in notwendigen Fällen Gewalt auszuüben, hat der Staat (mit engen Ausnahmen, wenn sich jemand einem rechtswidrigen Angriff ausgesetzt sieht). Genau so selbstverständlich ist es aber auch, andere selbst im Fall eines Konflikts immer als Teil der Gesellschaft anzuerkennen. Konflikte werden mit Worten ausgetragen, die scharf formuliert, gelegentlich sogar polemisch bis beleidigend sein können, solange jeder bereit ist, die (gewaltlose) Antwort des anderen zu vertragen. Für alle Konflikte, die auf dieser Ebene nicht beigelegt werden können, ist wiederum der Staat als neutrale Instanz zuständig. Diese Selbstverständlichkeit ist das Mindeste, was wir einander schulden!

Darum verabscheue ich alle, die in einer Auseinandersetzung zum Mittel der Gewalt greifen! Menschen, die auf unbewaffnete Menschen schießen, haben bei mir jeden Respekt verspielt, egal welche Hautfarbe, Religion oder sonstiges Identitätsmerkmal sie haben.

Darum verabscheue ich auch Menschen, die mit diffamierenden und haltlosen Worten Hass schüren und sich der Gegenrede verschließen, indem sie nicht mit anderen, sondern über andere reden. Auch das empfinde ich unabhängig davon, welche Hautfarbe, Religion oder sonstiges Indentitätsmerkmal diese Menschen haben. Meine Abscheu trifft islamistische Hassprediger genauso, wie die „abendländischen“ Hassprediger von PEGIDA.

Der Tod der zwölf Redaktionsmitglieder von „Charlie Hebdo“ wird nicht umsonst sein, wenn alle, die sich der Zivilgesellschaft zugehörig fühlen, jenen, die Hass und Gewalt schüren, entgegenrufen: „Auch ich bin Charlie Hebdo! Ihr werdet die Zivilgesellschaft nicht zerstören!“

Veröffentlicht von

Thomas F. Reis

Bloggt seit 2009 darüber, wie er sich die Politik der SPD wünschen würde. Daraus entstand 2013 u.a. sein E-Book "Das Problem der Arbeitslosigkeit". Sein Schwerpunkt-Thema ist die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

2 Gedanken zu „Auch ich bin Charlie Hebdo!“

  1. Ich fürchte genau die Selbstverständlichkeit der demokratischen Ordnung, von der du schreibt, gerät langsam in Gefahr. Waffen sind in Deutschland schon sehr verbreitet. Unabhängig von terroristischen Religionsfanatikern wird Gewaltanwendung, um seine eigene Sicht der Dinge durchzusetzen, immer mehr legitimiert durch eine junge Generation, der das Recht des Stärkeren mehr wert zu sein scheint, als die demokratischen Selbstverständlichkeiten in unserer Gesellschaft. Massenmörder (und nichts anderes sind diese widerlichen Typen) wie in Frankreich sind ein auffälliges Phänomen, das als Spitze einer breiteren Entwicklung verstanden werden kann/muss, die ich deutlich beängstigender finde als 10 tote Journalisten und 2 tote Polizisten, so dramatisch und schlimm dieser Vorfall auch ist. Deshalb wird es noch wichtiger werden, sich in Alltagssituation irgendwo in Deutschland grundsätzlich gegen Gewalt einzusetzen und dazu auch Gewaltanwendung gegen sich selbst in Kauf zu nehmen. Vor der Gewaltbereitschaft von Jugendbanden oder Kriminellen zurückzuschrecken, birgt zu sehr die Gefahr, dass sich die Einstellung immer weiter durchsetzt (vor allem bei jungen, und damit wenig nachdenkenden, oder dummen Menschen) Gewalt wäre das beste Mittel Konflikte im eigenen Interesse zu lösen, besonders wenn man der stärkere ist. Nicht falsch verstehen, ich spreche hier nicht von Selbstjustiz, sondern eine passende Antwort zu finden auf die ständig zunehmenden Horden von gewaltbereiten Menschen

    1. Helmut, ich stimme Dir in fast allen Punkten zu. Es muss bei jedem Einzelnen beides zusammen kommen: Die Einstellung, Gewalt im Zusammenleben abzulehnen und die Bereitschaft, sich dagegen zu wenden, wenn irgendwo Gewalt angewendet wird oder droht. Gerade Letzteres kann tatsächlich auch für diejenigen, die dagegen einschreiten, unangenehm oder gar gefährlich werden. Inwiefern man von allen Menschen erwarten kann, sich selbst in absehbare Gefahr zu bringen, weiß ich allerdings nicht. Hier werden unterschiedliche Menschen im konkreten Fall sicherlich zu einer individuellen Einschätzung kommen müssen, was sie sich selbst zutrauen können. Allerdings glaube ich, es gibt ja auch noch unterhalb der Schwelle der Selbstgefährdung Dinge, die jeder tun kann: Alarm schlagen oder Hilfe holen (eine gute Folge der weiten Verbreitung von Mobiltelefonen). Hier die richtigen Strategien zu finden und einzuüben halte ich in der Tat für wichtig. Das sollte viel stärker geübt werden und zwar regelmäßig immer wieder.

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