Buchempfehlung: „Arbeitsfrei“ von Constanze Kurz und Frank Rieger

Bereits in dem Untertitel ihres Buchs „Arbeitsfrei“ bringen die Autoren Constanze Kurz und Frank Rieger auf den Punkt, worum es in ihrem knapp 300 Seiten starken Werk gehen wird. Der Leser begibt sich auf eine „Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen“. Beiden gelingt es dabei, auch einem technisch eher unbedarften Menschen, wie mir, einen genau so spannenden, wie verständlichen Einblick in eine Welt zu geben, die bereits heute viel realer ist, als die meisten sich das vorstellen.

Beeindruckende Realität

Anhand der uns alle betreffenden Frage, wie eigentlich unser täglich Brot entsteht und wie es auf unseren Tisch kommt, erfährt der Leser, welche Umwälzungen die technische Entwicklung für den Stellenwert menschlicher Arbeit schon aktuell zur Folge hat. Arbeit, so kann man auf den Weizenfeldern, in den Mühlen, den Backbetrieben und den Logistikzentren sehen, wurde den Menschen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in gigantischem Maß von Maschinen abgenommen. Heute arbeiten in landwirtschftlichen Betrieben nur noch ein Bruchteil der Menschen, wie dies einst der Fall gewesen ist, lassen sich immer größere Mühlenbetriebe mit einem Minimum an Personal betreiben.

Und es geht noch weiter

Diese Umwälzung wird auch in den kommenden Jahren anhalten, wie Kurz und Rieger im zweiten Teil von „Arbeitsfrei“ darlegen. Sie wird vor allem Bereiche erfassen, die heute noch die wenigsten mit dem Begriff Automatisierung in Verbindung bringen: Autos fahren per Autopilot, Maschinen lernen, sich autonom in ihrer Umwelt zu orientieren, Software produziert Texte. Die Möglichkeiten der Automatisierung, die sich bereits in überschaubaren Zeiträumen abzeichnen, sind atemberaubend.

Der Blick bleibt aber rational

Dabei kommt bei der Lektüre des Buchs zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf, einen Science Fiction Roman zu lesen. Bei aller erkennbaren Faszination für die technischen Errungenschaften, denen sie begegnen, behalten Constanze Kurz und Frank Rieger immer auch einen wissenschaftlich rationalen Blick auf ihr Thema und blenden keineswegs die kritischen Aspekte der neuen technischen Möglichkeiten aus. Die Fragen, wer eigentlich für autonom agierende technische Einrichtungen in Schadensfällen die Verantwortung übernimmt oder inwieweit es ethisch vertretbar ist, die Entscheidung über die Tötung von Menschen auf Kriegsmaschinen, wie etwa Kampfdrohnen zu übertragen, werden in „Arbeitsfrei“ ernsthaft und keineswegs nur am Rande debattiert.

Die fundierte Analyse des Niedergangs der Erwerbsarbeit

Was dieses Buch für mich so herausragend macht, ist allerdings auch die Tatsache, dass „Arbeitsfrei“ gewissermaßen die wissenschaftlich fundierte Tatsachengrundlage für die These darstellt, die ich in „Das Problem der Arbeitslosigkeit“ vertrete: Die immer weiter fortschreitende Entwicklung von Maschinen entzieht der Arbeitsgesellschaft, wie sie uns aus den vergangenen knapp zwei Jahrhunderten vertraut ist, die Grundlage. Es ist aus meiner Sicht daher auch kein Zufall, wenn die Autoren am Ende von „Arbeitsfrei“ als Fazit ihrer Entdeckungen zu dem Schluss kommen, dass der Sinn menschlicher Tätigkeit vollkommen neu gedacht und die Verteilung der Früchte der Arbeit von Maschinen in einer am Gemeinwohl orientierten Weise geklärt werden muss. „Arbeitsfrei“ sollte eine Pflichtlektüre für alle politisch Verantwortlichen sein. Eine überaus kurzweilige Lektüre ist es überdies.

Constanze Kurz und Frank Rieger, „Arbeitsfrei“, Riemann Verlag 2013

Veröffentlicht von

Thomas F. Reis

Bloggt seit 2009 darüber, wie er sich die Politik der SPD wünschen würde. Daraus entstand 2013 u.a. sein E-Book „Das Problem der Arbeitslosigkeit“. Sein Schwerpunkt-Thema ist die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

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