Eigentlich gar kein Blog oder was tun, wenn der Fernseher nicht antwortet?

Alexandra Steiner hat in ihrem Blog „GECKOweb“ eine Blogparade gestartet, die Beiträge zu dem Thema sammelt, wie und warum Blogger begonnen haben, zu bloggen und wie sich ihr Blog mit der Zeit entwickelt hat. Auch Reaktionen von Kollegen und Lesern auf die Beiträge sollen dabei ihren Platz finden. Daran möchte ich mich gerne beteiligen.

Obwohl – ich muss vorweg schicken: Eigentlich bin ich gar kein richtiger Blogger…

Angefangen hat es, weil mein Fernseher mir keine Antworten gibt. Zumindest ist das blöde Gerät nicht ein einziges mal auf meine Argumente eingegangen! Klingt irgendwie verschroben? Nunja, in gewisser Weise bin ich das auch.

Als politisch denkender Mensch sehe ich mir immer schon gerne Diskussionsrunden zu allen möglichen Themen an. Meiner Frau Annette Schwindt geht es ähnlich, und so sitzen wir sehr oft gemeinsam da und verfolgen die aktuelle Debatte. Ganz oft stimme ich mit den Meinungen, die in solchen Runden vertreten werden, nicht überein und sage das auch. Aber wem sage ich das? Annettes Meinung und meine stimmen in den meisten Punkten überein. Also können es nur die Menschen im Studio sein, denen mein Unmut gilt. Die aber können mich nunmal nicht hören.

Annette schmunzelt meist über mein engagiertes Zusehen. Irgendwann ist es aber auch ihr zu bunt geworden und sie hat mir geraten, ich solle es doch mal mit dem Bloggen versuchen. Tatsächlich finde ich die Form des Blogs wie geschaffen, um politische Debatten zu führen. Gesagt, getan. Schon kurze Zeit später hatte Annette mir auf wordpress.com das Blog „Soziale Demokratie heute“ eingerichtet und los ging es.

Nun bin ich aber auch ein Mensch, der nicht gerne irgendwelche Behauptungen und Meinungen in den Raum stellt, nur weil diese gerade angesagt sind oder weil ich damit eine bestimmte Wirkung beim Publikum erzeugen will. Das findet in der derzeitigen öffentlichen Debaitte schon viel zu oft statt.

Ein Beispiel ist die Frage, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre, ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) einzuführen. Befürworter und Gegner eines BGE tauschen in der Regel grimmig ihre jeweiligen Standpunkte aus, warum das BGE entweder alle Probleme der Menschheit löst oder uns alle in den Abgrund stürzt. Am Ende ist dann meist nur eines klar: Die einen sind dafür, die anderen dagegen.

Ich persönlich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass ein BGE eingeführt wird, sehe aber auch, dass dies eine gewaltige Umwälzung der Art und Weise wäre, wie unser Wirtschafts- und Sozialsystem funktioniert. Unter stabilen demokratischen Bedingungen kann das nur funktionieren, wenn zumindest eine sehr weitreichende Übereinstimmung der Bürger darüber besteht, dass die bisherige Organisationsweise unseres Wirtschafts- und Sozialsystems grundlegend verändert werden muss.

Mein erstes Thema, über das ich gebloggt habe, war also eben die Frage, ob wir eine solche grundlegende Veränderung benötigen, weil ich der Meinung bin, dass damit unser ganzes Zusammenleben steht und fällt. Selbstverständlich habe ich dieses Thema auch gewählt, weil mich die Thematik beruflich wie privat sehr interessiert, weil ich dazu bereits einige gute Bücher gelesen und sich in meinem Kopf der Ansatz einer Argumentation gebildet hatte.

Das war im Jahr 2009 und seit dieser Zeit habe ich in meinem Blog auch im Wesentlichen nur dieses eine Thema verfolgt. Das habe ich in einer Weise getan, die alles andere als das ist, was man Menschen empfiehlt, die sich überlegen, mit einem Blog zu beginnen. Ich habe nur in Ausnahmefällen tagesaktuelle Ereignisse aufgegriffen, habe aber dafür einen komplizierten Gedankengang in viele Einzelschritte unterteilt, die ich dann in viel zu lange Blogposts gepackt und in eher langen Zeitabständen veröffentlicht habe. In vier jahren habe ich es auf diese Weise auf stolze fünfzig Blogposts gebracht, die insgesamt etwa zehntausendmal angesehen worden sind. Andere Blogs haben solche Zugriffszahlen an einem Tag. Trotzdem habe ich niemals daran gezweifelt, dass dies für „Soziale Demokratie heute“ exakt die richtige Vorgehensweise ist.

Irgendwann meinte Annette, was ich da schreibe, sei kein Blog, sondern ein Buch. Durch diese Feststellung angeregt, habe ich dann tatsächlich die einzelnen Blogposts zum Thema einfach in einem langen Text zusammengefasst und in einen fortlaufenden Argumentationsfluss gebracht – es hat funktioniert! Auf diese Weise bin ich aus meinem Blog heraus, das eigentlich kein Blog ist, zu meiner ersten Veröffentlichung eines E-books gekommen. Mit der wertvollen Hilfe zweier Freunde, Lucas Lüdemann und Alexander Schestag, sowie selbstverständlich meiner Frau ist „Soziale Demokratie heute“ mittlerweile ein selbst gehostetes Blog und hält das E-book „Das Problem der Arbeitslosigkeit – Abschied von der tradierten Form der Erwerbsarbeit“ zum kostenlosen download bereit.

Mittlerweile haben meine Frau und ich uns entschieden, uns einen neuen Fernseher zu besorgen. Das Teil hat eine Unmenge neuer Funktionen, die zum Zeitpunkt der Herstellung unseres alten Geräts noch vollkommen undenkbar waren – mit mir diskutieren kann es immer noch nicht. Dafür überlege ich mir schon, welches Thema ich als nächstes aufgreifen könnte. Und wer weiß, vielleicht, wenn ich alle grundlegenden Fragen geklärt habe, werde ich ja auch noch beginnen, richtig zu bloggen.

Veröffentlicht von

Thomas F. Reis

Bloggt seit 2009 darüber, wie er sich die Politik der SPD wünschen würde. Daraus entstand 2013 u.a. sein E-Book „Das Problem der Arbeitslosigkeit“. Sein Schwerpunkt-Thema ist die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

One thought on “Eigentlich gar kein Blog oder was tun, wenn der Fernseher nicht antwortet?”

  1. Mach doch ab jetzt dein eigenes TV… 😉
    – Blog hast du…
    – You tube ist umeecke!
    – Programmieren kannst du auch.
    – also let´s do it

    New Thema Vorschlag:
    „Berufsgenossenschaften“ hat noch keiner etwas dazu geschrieben. Bist du wirklich versichert?

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