Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil III (Effekt durch Steigerung der Kaufkraft?)

Die Erwerbsarbeit scheint seit Beginn des letzten Drittels des zwanzigsten Jahrhunderts immer weniger geeignet zu sein, den Lebensunterhalt der Menschen zu sichern. Jedenfalls sehen wir spätestens seit dieser Zeit, wie immer mehr Menschen von Arbeitslosigkeit, besser Erwerbsarbeitslosigkeit betroffen sind. Ich versuche daher, den Mechanismus, den ich am Ende des zweiten Teils beschrieben habe, näher zu betrachten. Dabei gehe ich von den Bedingungen einer Marktwirtschaft aus.

Rentabilität von Arbeitsplätzen

Der Mechanismus funktioniert umso eher, je mehr Gewinn ein Arbeitgeber daraus ziehen kann, einen anderen gegen Arbeitsentgelt zu beschäftigen. Es geht um die Rentabilität von Arbeitsplätzen. Diese Rentabilität ist abhängig von der Nachfrage nach Produkten (Waren und Dienstleistungen), die mit Hilfe von Arbeit erzeugt oder gewonnen werden, zu einem Preis, der die Produktionskosten möglichst weit übersteigt. Um das zu erreichen, kann man zwei Dinge beeinflussen: Den Preis zu dem ein Produkt angeboten wird und die Zahl der Menschen, die sowohl ein Bedürfnis nach einem Produkt als auch die Möglichkeit haben, dieses Bedürfnis zu befriedigen.

Steigerung der Kaufkraft

Der Erfolg der sozialen Marktwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg hängt meiner Meinung nach auch damit zusammen, dass es gelungen ist, die Menschen finanziell in die Lage zu versetzen, ihren Bedarf an Waren des täglichen Bedarfs zu decken. Arbeit war nach den Zerstörungen durch den Krieg im Übermaß vorhanden und die westlichen Siegermächte haben der Versuchung widerstanden, das besiegte Deutschland auch wirtschaftlich zu zerstören (Stimmen, die dies forderten, gab es ja). Statt dessen wurde aktiv der Wiederaufbau unterstützt. In dieser Situation konnte die Erwerbsarbeit tragende Grundlage für die Sicherung des Lebensunterhalts fast aller Menschen sein. Die Löhne stiegen und mit ihnen die Nachfrage nach Produkten, was die Wirtschaft wachsen ließ, die wiederum weiteren Bedarf an Arbeitskräften hatte. Der Mechanismus funktionierte und Erwerbsarbeit konnte sogar die Grundlage nicht nur für die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen, sondern auch für ein solidarisches System von Sozialversicherungen sein, das weltweit zum Vorbild wurde.

Effekt auf die Kosten

Dieser Effekt steigender Löhne wird allerdings von einem anderen Effekt konterkariert: Steigende Löhne führen bei ansonsten gleichen Bedingungen auch zu steigenden Produktionskosten, da die Erwerbsarbeit ja für den Arbeitgeber teurer wird, deren Kosten einen wichtigen Teil der Produktionskosten ausmachen. Das führt entweder direkt zu sinkenden Gewinnen oder zu höheren Preisen. Höhere Preise führen aber in der Regel zu einer geringeren Nachfrage nach Produkten und damit ebenfalls zu sinkenden Gewinnen. Dies aber führt tendenziell zu weniger Beschäftigung. Höhere Löhne entfalten einen positiven Effekt also nur dann, wenn entweder das Bedürfnis der Menschen nach den erzeugten Produkten so groß ist, dass sie auch bereit sind höhere Preise zu zahlen oder wenn andere Bestandteile der Produktionskosten sinken, etwa indem durch verbesserte Werkzeuge und Produktionsabläufe mit gleich bleibendem Arbeitseinsatz mehr Produkte hergestellt werden können.

Grenzen des Wachstums

Auch im Fall der zuletzt genannten Alternative muss freilich ein Bedürfnis nach den zusätzlich hergestellten Produkten bestehen. Um auf diese Weise den Mechanismus, die Existenz der Menschen auf der Grundlage der Erwerbsarbeit zu sichern, aufrecht erhalten zu können, ist man also darauf angewiesen, immer neue Bedürfnisse nach neuen Produkten zu wecken. Die Grenzen dieses Ansatzes werden in Zeiten steigenden Umweltbewusstseins mehr und mehr deutlich. Vor allem wenn man voraussetzt, dass nicht nur die Menschen in den Industriestaaten ein Recht auf gute Lebensverhältnisse haben, werden wir uns Gedanken machen müssen, wie das vernünftiger funktionieren kann. Diese Frage verdient allerdings ein eigenes Blogpost. Für den Moment möchte ich mich damit begnügen festzustellen, dass steigende Löhne nicht in jedem Fall den Mechanismus aufrecht erhalten können.

Als nächstes möchte ich skizzieren, wie es mit dem Einfluss der Preise auf die Nachfrage steht. Was meint Ihr?

Veröffentlicht von

Thomas F. Reis

Bloggt seit 2009 darüber, wie er sich die Politik der SPD wünschen würde. Daraus entstand 2013 u.a. sein E-Book „Das Problem der Arbeitslosigkeit“. Sein Schwerpunkt-Thema ist die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

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