Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil I (Arbeit oder Erwerbsarbeit?)

In einer Reaktion auf mein Post „Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ stellte Gerd die Frage, wie ich mir eine Lösung für das Problem der Arbeitslosigkeit vorstelle. Nun, ich finde nicht, dass wir auf jemanden warten sollten, der behauptet, hierfür DIE Lösung zu haben. Noch viel weniger sollten wir jemandem Vertrauen schenken, der uns mit „einfachen“ Maßnahmen beglücken möchte.

Präzisierung der Fragestellung

Ich bin der Überzeugung, das Problem der Arbeitslosigkeit kann nicht auf einem einfachen Weg gelöst werden. Im Gegenteil glaube ich, dass wir uns noch nicht einmal genau darüber bewusst sind, warum es für uns ein Problem ist, Arbeit nicht zu haben. Es wäre daher hilfreich, zunächst einmal darüber zu diskutieren, warum Arbeit für uns wichtig ist und wie es kommen kann, dass Menschen keine Arbeit haben, obwohl um uns herum jede Menge zu tun ist. Möglicherweise müssen wir uns dann Gedanken darüber machen, einige Dinge grundlegend zu verändern. Derartige Veränderungen – sollten sie denn notwendig sein – bedürften dann allerdings einer wesentlich breiteren gesellschaftlichen Diskussion, als sie hier möglich ist, um für sie eine demokratische Legitimierung zu finden. Für mich wäre es schon ein Riesenerfolg, wenn es gelänge, dieser facettenreichen Diskussion ein Mosaiksteinchen hinzuzufügen, das dem Anliegen der sozialen Gerechtigkeit hinreichend Platz verschafft.

Warum wir keine Arbeit auf keinen Fall möchten

Es ist ja erst einmal überraschend, wenn wir Arbeit als ein Gut betrachten, vielleicht sogar als eines der höchsten Güter. Das war auch beileibe nicht immer so (eine brilliante Abhandlung über die sich wandelnde Bewertung der Arbeit als einer Tätigkeit des Menschen findet sich in „Vita activa“ von Hannah Arendt, woran ich mich im folgenden grob orientiere). Vor Beginn des Industriezeitalters war Arbeit die täglich wiederkehrende Tätigkeit, die notwendig war, um die Lebensfunktionen eines jeden zu erhalten und den direkten Lebensraum zu erhalten. Eine solche Tätigkeit war unangenehm und wenig anspruchsvoll und sie war hauptsächlich von niederen Bediensteten oder gar Sklaven zu verrichten, die in der Regel noch nicht einmal eine eigenständige Existenz hatten. Wer keine Arbeit zu verrichten hatte, dem ging es gut, denn der gehörte im allgemeinen einer vermögenden und herrschenden Klasse an.

Veränderte Bedeutung von Arbeit

Unsere heutige Wertschätzung der Arbeit ist grob gesagt vor dem Hintergrund zu verstehen, dass infolge der Aufklärung jedem Menschen eine eigenständige Existenz zugestanden wird. Dies stellt eine große Errungenschaft dar, und es ist das Bestreben jedes Menschen, seine eigenständige Existenz aus eigener Kraft zu erhalten. Dabei geschieht die Selbsterhaltung weniger als in früheren Zeiten durch eigenhändige Tätigkeit sondern stärker durch bezahlte Dienstleistungen (man denke nur an die Produktion von Kleidung oder Nahrungsmitteln). Außerdem hat sich der Begriff der Arbeit inhaltlich erweitert und umfasst in Zeiten der industriellen Produktion auch das Herstellen von Dingen, das vormals eine gesonderte Bedeutung hatte.

Was ich hier nur andeuten kann ist dies: Arbeit ist für den Einzelnen zu dem wichtigsten Mittel geworden, eine eigenständige Existenz zu sichern. Dazu muss Arbeit allerdings eine unverzichtbare Eigenschaft haben, sie muss dem, der sie ausübt einen finanziellen Nutzen bringen. Was wir wollen, ist nicht einfach nur Arbeit, sondern Erwerbsarbeit, egal ob sie als abhängige Beschäftigung oder als selbständige bzw. freiberufliche Tätigkeit ausgeübt wird. Das mag jetzt zunächst banal klingen. Es ist aber aus meiner Sicht wichtig, sich das bewusst zu machen, wenn man über das Problem der Arbeitslosigkeit weiter nachdenkt.

Anmerkung: Um die Posts zum Thema nicht noch länger als dieses werden zu lassen und um die Diskussion zu den einzelnen Aspekten zu erleichtern, möchte ich Teil I meiner Gedanken zum Problem der Arbeitslosigkeit hier beenden. Ich hoffe, weitere Teile möglichst bald hier zur Diskussion stellen zu können.

Veröffentlicht von

Thomas F. Reis

Bloggt seit 2009 darüber, wie er sich die Politik der SPD wünschen würde. Daraus entstand 2013 u.a. sein E-Book „Das Problem der Arbeitslosigkeit“. Sein Schwerpunkt-Thema ist die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

2 thoughts on “Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil I (Arbeit oder Erwerbsarbeit?)”

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